Ich wär’ so gerne dänisch

Als ich meine lilafarbene Bluse heute Morgen sorgfältig auf den Kleiderbügel schob und diesen zurück in den Kleiderschrank hängte, war ich mir sicher, die Phase des modischen Minimalismus endgültig überwunden zu haben. Ich weiß gar nicht, warum es diese lilafarbene Bluse brauchte, um es zu bemerken, immerhin stecke ich mir die Überreste meines Ponys seit einigen Wochen mit bunten Haarspangen weg, von denen ich als 8-Jährige nur hätte träumen können. Und doch löste das seidene Oberteil in mir das Gefühl − oder vielmehr die Hoffnung − aus, meine anhaltende Modekrise endlich überwinden zu können.

Seit einigen Monaten schon beschlich mich der Verdacht, meinen Kleiderschrank nach einer Ästhetik zu gestalten, die vielleicht ganz schön, nur eben nicht meine war. Puristische Outfits, geprägt von monochromen Farben und den immer gleichen geraden Schnitten, mögen in einem kuratierten Instagram Feed ganz wunderbar aussehen, sonderlich viel Spaß brachten sie mir über die Jahre jedoch nicht. Und so verzichtete ich mal eben einige Jahre auf wunderbare Rüschen und bunte Farben. Ganz einfach deshalb, weil ich glaubte, dass sie nicht zu meiner restlichen Kleiderwahl passen würden. Dass es überhaupt so weit kam, lag an einer ganz einfachen und gleichzeitig mindestens ebenso doofen Frage, die in Interviews innerhalb der Modebranche gerne einmal gestellt wird: “Wie würdest du deinen Stil in einem Wort beschreiben?”

Mit dem Ziel, eine Frage, die mir ohnehin niemals irgendjemand stellen würde, beantworten zu können, gestaltete ich also über Jahre hinweg den Inhalt meines Kleiderschranks, der sich letztlich gar nicht mehr anfühlte, als hätte er irgendwas mit mir zu tun. Kürzlich dann stieß ich auf Instagram auf sämtliche großartige Inspirationen aus Dänemark und Schweden, die mir die Welt zu einer ganz neuen, bunten Modewelt ebneten und ganz nebenbei auch noch dafür sorgten, dass meine virtuellen Wunschlisten nahezu explodieren. Ganz plötzlich eröffnen sich mir mit Labels wie Baum und Pferdgarten, Munthe und By Malene Birger völlig neue Möglichkeiten, mich selbst in der Mode zu finden und auszudrücken, ganz ohne mir dabei den Kopf zu zerbrechen, ob es sich in irgendeine Ästhetik zwängen lässt.

Durch die Jahre der modischen Zurückhaltung habe ich jetzt einiges nachzuholen, was sich − angesichts der preislichen Lage − ganz sicher über eine längere Zeitstrecke ziehen wird. Den Anfang macht also jene lilafarbene Bluse, die ich heute morgen so sorgfältig über den Kleiderbügel schob.

Pants – Samsoe Samsoe; Blouse – Baum und Pferdgarten; Coat – H&M; Shoes – Vagabond; Bag – Baum und Perdgarten; Necklace – Stine Goya;

 

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