Was ich dieses Jahr wirklich gelernt habe

Ich trage: Kleid von Munthe (PR Sample), Tasche von Baum und Pferdgarten, Schuhe von Vagabond

Dass Jahresrückblicke doof sind, habe ich in den vergangenen Tagen ziemlich oft gelesen. All die nörgelnden Aussagen waren wohl auch der Grund, warum ich eben erst jetzt, am 31. Dezember, an meinem Laptop sitze und ihn doch noch in die Tasten tippe, diesen Jahresrückblick. Es ist übrigens der Erste, den ich schreibe, vorher gehörte ich auch zu jenen Menschen, die sämtliche kitschigen Bräuche verteufeln. Das wäre auch schon mein erster Vorsatz für 2019, nicht mehr alles doof zu finden, nur weil es irgendwie typisch ist. Um Vorsätze soll es hier aber gar nicht gehen, damit bin ich, zugegeben, nämlich auch ganz schön spät dran und habe noch nicht einmal welche aufgestellt. Jetzt aber zurück zum jetzigen, oder alten, Jahr, in dem ich so manche Ernüchterung, aber auch einige Glücksmomente erlebt habe. Und von all ihnen habe ich etwas gelernt.

So bin ich Anfang des Jahres, gleich im Januar, mit Anny nach Berlin gefahren, um dort ein bisschen Tamtam auf der Fashion Week zu erleben. Gebührend feierten wir den Auftakt mit einer Dandy Diary Party, die − wie passend − das Thema “Millenium Party” trug. Es war eine feuchtfröhliche Nacht inklusive Gigi D’agostino und Jäger Meister. Letzteres habe ich seither ein für alle mal verworfen, nie wieder möchte ich diese braune Brühe trinken müssen. Irgendwann dann konnte auch der fetzigste 2000er Song uns nicht mehr auf der Party halten und wir beschlossen, den Weg vom Alexanderplatz (von der Party) nach Schöneberg (ins Hotel) anzutreten. Während es drinnen noch wunderbar stickig und heiß war, tobte draußen, ganz in Berliner Manier, ein Schneesturm. Natürlich waren wir zu dünn angezogen und natürlich waren wir zu geizig, ein Taxi zu nehmen und irrten auf der Suche nach der richtigen Bushaltestelle wohl mehr als 20 Minuten um den Alex herum. Wir fanden die Haltestelle nicht und nahmen irgendwann die U-Bahn. Ich glaube, mir war in meinem ganzen Leben noch nie so kalt, wie in dieser Nacht und in meinem betrunkenen Kopf war ich mir sicher, jeden Augenblick umzufallen. Ich lernte also, dass Jägermeister nach wie vor furchtbar schmeckt und ich ganz sicher nie wieder zu geizig sein werde, in einer eisigen Nacht ein Taxi zu rufen.

Neben meinem Studium arbeitete ich als Werkstudentin bei einem kleinen Online Shop, der Secondhand Mode verkauft. Ich halte es kurz: Es war kein Job, zu dem ich gerne ging, was an verschiedenen Dingen lag, aber ich war nun einmal darauf angewiesen, Geld zu verdienen und es war, im Gegensatz zu dem, was ich als Freelancer bekam, ein regelmäßiges Einkommen. Im Juni, kurz vor Beginn meines nächsten Praktikums in Berlin, kündigte ich die Stelle. Ja, die Zeit bei dem Unternehmen war nicht das, was ich mir erhofft hatte, aber ich habe gelernt, meine Arbeit trotz negativer Aspekte ernst zu nehmen und gewissenhaft zu erledigen. Auch habe ich gelernt, dass es zwar manchmal notwendig ist, Jobs anzunehmen, weil man nunmal das Geld braucht, es gleichzeitig aber ein Ansporn ist, stärker auf das große Ziel hinzuarbeiten.

Von Juli bis September wohnte ich in Wedding. Ich kam für ein Praktikum nach Berlin, das ernüchternder nicht hätte sein können. Von unkontrollierten Wutausbrüchen über arrogante Bemerkungen und sehr wenig Wertschätzung erlebte ich hier so ziemlich alles von meinen Vorgesetzten, was man sich als Praktikant vorstellen kann. Einzig und allein mein Kollege sowie der andere Praktikant machten aus der Zeit doch noch etwas Schönes. Ich brach vorzeitig ab und hatte ziemlich damit zu kämpfen, mich nicht als Versager zu fühlen. Gleichzeitig lernte ich aber auch, dass ich mir nicht alles gefallen lassen muss und dass sich in der Modeszene durchaus fiese Menschen herumtreiben können. Zum Glück lernte ich, dank Sarah und Nike, wenig später das glatte Gegenteil kennen: Gleich im ersten Moment fühlte ich mich wahnsinnig gut aufgehoben und willkommen. Und das obwohl das 2,5-stündige Treffen im Café bloß erst der Anfang war von alledem, was noch kommt, denn ab März darf ich als Vollzeitredakteurin bei This is Jane Wayne beginnen. Und ehrlich, ich kann es noch immer gar nicht glauben.

Als ich aus Berlin zurückgekommen bin, erlebte ich eine melodramatische Kleiderkrise, in der ich mir wirklich sicher war, keinen Stil zu haben, obwohl ja irgendwie jeder Mensch einen Stil hat. Ich überdachte meine Käufe der letzten Jahre und mistete meinen Kleiderschrank radikal aus, was sowohl befreiend, als auch beängstigend war. Daraus lernte ich aber nicht nur, dass ich künftig viel stärker darauf achten muss, wo und was ich kaufe, sondern auch, dass ich mir keinen Stil aufdrücken darf, in dem ich mich nicht wie ich selbst fühle. Im Jahr 2019 hoffe ich dann zu lernen, dass ich keine Angst haben muss, das zu tragen, das ich schön finde. Auch, wenn mich Menschen auf der Straße dann manchmal doof angucken, weil sie nicht verstehen, dass ein wallendes Maxikleid für mich sehr wohl essenziell ist, um einkaufen zu gehen.

Im Oktober habe ich das erste Mal seit acht oder mehr Jahren gemeinsam mit meinem Vater Urlaub in Kroatien gemacht. Vorher war ich mir ganz schön unsicher, ob alles gut gehen würde oder ob wir uns nicht etwa schon nach den ersten Stunden tierisch auf die Nerven gehen würden. Okay, als er mich vom Flughafen abholte und wir 1,5 Stunden gemeinsam im Auto saßen, war es schon ein klein wenig anstrengend, aber das legte sich, spätestens als wir am Strand angekommen waren, wieder. Letztlich war der Urlaub sogar ziemlich großartig, witzig und vor allem schön. Wir waren an Orten, an denen wir zuvor noch nie zusammen waren und das, obwohl wir seit meinem ersten Lebensjahr jedes Jahr in Kroatien waren. In diesen Tagen habe ich gelernt, wie wichtig es mir ist, Zeit mit meinem Vater zu verbringen und die Momente, in denen wir uns sehen, mehr zu genießen.

Jetzt ist es bereits früher Abend und ich werfe mich gleich in das herrliche Kleid von Munthe, lasse meine “Stars and Disco”-Playlist auf voller Laustärke laufen, um die Nachbarn zu übertönen und trinke meinen Gin Tonic aus einem Glasstrohhalm. Ja, tatsächlich ist es die Art von Silvester, die ich mir vorgestellt habe.

Kommt wunderbar ins neue Jahr <3

 

 

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